Leserkommentar von Lars Kegler
 

„Sundance“ von Angelika Hansen
 

„Schon wieder so ein Buch“ war mein erster Gedanke beim Anblick von „Sundance“. Dabei fand ich Angelika Hansens erstes Buch „Begegnung mit dem Schamanen“ durchaus gut und lesenswert. Dies zweite ist jedoch kaum mehr als ein fader Aufguß des ersten. Trotzdem habe ich aber mehr gutes als schlechtes darüber zu sagen.

Zunächst zum Vorwort:
Absolut richtig sind Hansens Erläuterungen, daß es sich beim Sonnentanz und beim „Piercing“ um ein Gebet handelt und um ein Opfer, das die Tänzer zum Wohl und Segen anderer auf sich nehmen.  Diese Feststellungen sind zwar nichts neues, aber dennoch wichtig und begrüßenswert. Denn es soll ja immer noch ungebildete Individuen geben, die den Sonnentanz als Initiationsritual mißverstehen, oder ähnlichen Quatsch.

Nicht ganz richtig ist Hansens Darstellung, daß Frauen im Sonnentanz nicht gepierct werden. Dies gilt durchaus für manche Sonnentänze, aber für manche auch nicht. Richtig ist jedoch ihre Begründung dafür, nämlich das Frauen beim Gebären und Aufziehen ihrer Kinder Schmerzen aushalten und Opfer bringen, durch die sich ein eventuelles Piercen im Sonnentanz von vornherein erübrigt.

Im Hauptteil des Buches verzichtet Hansen auf eine äußerliche Beschreibung des Sonnentanzes. Zu Recht, da sie ohnehin nur wiederholen könnte, was andere bereits geschrieben haben.
Statt dessen läßt sie einen Sonnentanz-Leiter und drei Sonnentänzer zu Wort kommen, die ihre persönlichen Erfahrungen und Eindrücke wiedergeben. Diese Erzählungen sind natürlich rein subjektiver Natur, und daher weitgehend jenseits jeglicher (positiver oder negativer) Kritik. Somit genügt im Grunde die Feststellung, daß sie manche Weisheit und manche Dummheit enthalten. Und es dürfte vom Wissens- und Erfahrungshorizont des Lesers abhängen, ob dieses Buch ihn veranlaßt, vor Begeisterung schreiend die Straße herunter zu rennen oder vor Langeweile einzuschlafen. Jedenfalls sind diese „Innenansichten“ des Sonnentanzes sicher eine gute Ergänzung zu anderer, umfangreicher Literatur zu diesem Thema.
Im übrigen kann eine Buchkritik nicht nur Bezug auf den Inhalt eines Buches nehmen, sondern auch auf das, was es nicht beinhaltet:
Daher stelle ich mit größter Zufriedenheit fest, daß Hansen in beiden ihrer Bücher auf schwachsinnige, mystifizierende Sülze verzichtet. Dadurch heben sich ihre Bücher wohltuend ab von den ekelhaften Absonderungen manch anderer Autoren.

Abschließend ist noch folgende Korrektur eines schweren Fehlers notwendig:
„Valuta“ ist ein Begriff aus dem Bankwesen.
Der hier gemeinte Begriff muß „Waluta“ geschrieben werden, da die Lakota ihr „W“ genau wie im Englischen aussprechen. (Sie kennen kein „W“ deutscher Aussprache, daß sich auch als „V“ schreiben ließe). Außerdem bezeichnet „“Waluta“ weder Choke-Cherry-Zweige noch die daran befestigten Gebetsfahnen aus Baumwollstoff. „Luta“ heißt „rot“ und ein Waluta ist nichts anderes als die Gebetsfahne aus rotem Filz, die nur am mittleren Stab eines Altars für ein Yuwipi oder eine Visionssuche befestigt wird.

Zusammenfassung:
Daß man mehr oder weniger mit Indianern oder Sonnentänzern zu tun hat, ist noch lange kein Grund, gleich Bücher über sie zu schreiben. Aber es spricht auch nicht zwangsläufig dagegen.

 
 

Lars Kegler
April 2003

 


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