Kommentar von Isabella Schön zum Buch "Indian War - Der Fall des indiansichen Bürgerrechtlers Leonard Peltier":

Eine Angelegenheit objektiv zu betrachten bedeutet meiner Ansicht nach alle verschiedenen Sichtweisen zu berücksichtigen. Seltsamerweise blieben die Darstellungen von Leonard Peltier - bis auf ein im Anhang abgedrucktes Interview einer amerikanischen Zeitung - unberücksichtigt. Die Biographie von Leonard Peltier ist 1999 erschienen, Hofmanns Buch im Juli 2000. Somit stand diese Biographie dem Autor zu Verfügung und ich finde es sehr irritierend, daß er sie offensichtlich nicht mit einbezogen hat. Zum Beispiel schildert Leonard Peltier in seiner Biographie auf Seite 114 eine Begebenheit, die für ihn mit ausschlagebend war, sich als Bürgerrechtler für sein Volk einzusetzen. Hofmann spricht auf Seite 31 seines Buches diese Begebenheit an und schließt mit den Worten: "Ob sich diese kleine Geschichte tatsächlich so zugetragen hat oder ob sie ein Produkt der einsetzenden Verklärung der Person Peltier ist, kann kaum geklärt werden". Wenn Leonard Peltier es in seiner Biographie geschildert hat, wie kann sich der Autor dann fragen, ob es wahr ist oder nicht? Es sei denn er hat die Biographie gar nicht gelesen...
Auch einigen der subjektiven Einschätzungen des Autors kann ich mich nicht anschließen. Zum Beispiel den Sonnentanz lediglich als "martialisches Ritual" darzustellen, in dem der Geist der Kriegertradition wieder heraufbeschworen wird, ist wohl etwas dürftig. Der Sonnentanz ist eine der "sieben geheimen Riten" der Lakota, eine religiöse Zeremonie mit einem komplexen spirituellen Hintergund. Es nehmen Männer, Frauen und Kinder daran teil und auch nur ein Teil der männlichen Sonnentänzer läßt sich piercen (durchstechen).
Ich kann dieses Buch nicht hundertprozentig empfehlen. Wer sich für Leonard Peltier und das AIM interessiert, sollte es trotzdem lesen und sich sein eigenes Urteil bilden.

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