Eine Angelegenheit objektiv zu betrachten bedeutet meiner Ansicht
nach
alle verschiedenen Sichtweisen zu berücksichtigen. Seltsamerweise
blieben die Darstellungen von Leonard Peltier - bis auf ein im Anhang
abgedrucktes
Interview einer amerikanischen Zeitung - unberücksichtigt. Die
Biographie
von Leonard Peltier ist 1999 erschienen, Hofmanns Buch im Juli 2000.
Somit
stand diese Biographie dem Autor zu Verfügung und ich finde es
sehr
irritierend, daß er sie offensichtlich nicht mit einbezogen hat.
Zum Beispiel schildert Leonard Peltier in seiner Biographie auf Seite
114
eine Begebenheit, die für ihn mit ausschlagebend war, sich als
Bürgerrechtler
für sein Volk einzusetzen. Hofmann spricht auf Seite 31 seines
Buches
diese Begebenheit an und schließt mit den Worten: "Ob sich diese
kleine Geschichte tatsächlich so zugetragen hat oder ob sie ein
Produkt
der einsetzenden Verklärung der Person Peltier ist, kann kaum
geklärt
werden". Wenn Leonard Peltier es in seiner Biographie geschildert hat,
wie kann sich der Autor dann fragen, ob es wahr ist oder nicht? Es sei
denn er hat die Biographie gar nicht gelesen...
Auch einigen der subjektiven Einschätzungen des Autors kann ich
mich nicht anschließen. Zum Beispiel den Sonnentanz lediglich als
"martialisches Ritual" darzustellen, in dem der Geist der
Kriegertradition
wieder heraufbeschworen wird, ist wohl etwas dürftig. Der
Sonnentanz
ist eine der "sieben geheimen Riten" der Lakota, eine religiöse
Zeremonie
mit einem komplexen spirituellen Hintergund. Es nehmen Männer,
Frauen
und Kinder daran teil und auch nur ein Teil der männlichen
Sonnentänzer
läßt sich piercen (durchstechen).
Ich kann dieses Buch nicht hundertprozentig empfehlen. Wer sich
für
Leonard Peltier und das AIM interessiert, sollte es trotzdem lesen und
sich sein eigenes Urteil bilden.
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