Leserkommentar von Norbert Mallik

Indianische Heilgeheimnisse

von Gerhard Buzzi

So ein Buch macht dem Kritiker Spaß, denn es gibt eine Menge daran herumzumäkeln. Gleich zu Anfang kritisiert der Autor verschiedene Medizinleute und andere, die die indianische Religion und Spiritualität ausbeuten und Geld daraus schlagen wollen. Das hätten die Indianer nicht verdient und recht hat er damit. Aber wer wie hier heilige Lieder der Lakotas abdruckt, handelt im Grunde auch nicht viel anders. Seinen lakotaischen Gewährsmann nennt er Großvater. Er bezieht sich auch auf Archie Fire Lame Deer, der besonders in Deutschland bekannt ist. Buzzi führt weiter aus, daß der von ihm erfahrene Gott nur durch Selbsterfahrung erkannt werden kann und nicht etwa in Büchern seinen Niederschlag findet. Man könnte nun logischerweise sein Buch selbst für gottlos halten, oder anzweifeln, dass Lesen keine Selbsterfahrung darstellt, zumindest aber sehen, daß er seine Position so richtig nicht durch dacht hat. Dem entsprechen auch Unrichtigkeiten, so ist zum Beispiel der Großvater-Gott Tunkashila der Lakota nicht gleich der obersten Gottheit Wakan Tanka (entspricht etwa wie Gottvater und Jesus Christus, die Wesenheiten der 4 Richtungen sind dann der Heilige Geist). Doch es ist gut möglich, daß er es wirklich so von seinem Großvater gehört hat, denn diesbezügliche Unterschiede sind durchaus üblich in einer Religion, die keinen obersten Seelenhirten mit Unfehlbarkeitsanspruch beschäftigt. Auch mögen manche Lakota nicht gerne mit Hunden an der Seite beten, anderen macht es nichts aus. Die Sprache von Buzzi differenziert hier allerdings wenig und so verunsichern die ständigen Verallgemeinerungen doch sehr. Die Buchreihe wurde übrigens von Hans Meiser herausgegeben, dem Fernsehmoderator. Ich habe zwar noch keine Sendung mit ihm gesehen, doch ist er mir aus Satirezeitschriften bekannt, die ihn gerne veräppeln. Warum muß man das Wort "Spirits" zu deutsch "Geister" oder "Geistwesen" als deutscher Autor unübersetzt lassen? Nur weil das in der anglophonen New-Age Welt so üblich ist? Oder das beliebte Wort "Piercen" kommt aus dem englischen und wird nicht mit "s" geschrieben. Bei den Quellenangaben ist es eigentlich üblich, die Seitenzahlen zu nennen.

Einzig kompetent für Schwitzhütten soll in Deutschland, laut Buzzi, ein Herr Irmer sein. Darüber mag man denken wie man will, auch wie das für andere ist, die ebenfalls Wasser aufgießen und, was so eine Beurteilung überhaupt aussagt. Doch ist sie falsch, da jemand anderes in Deutschland lebt und Wasser aufgießt, der mindestens ebenso kompetent für Lakotaschwitzhütten sein dürfte, einfach deshalb, weil er ein echter Lakota ist. Auch soll Sex in jeder Form tabu in der Sweat sein, nicht einmal der Gedanke daran darf aufkommen. Und ich dachte immer, auch in der Sweat seien die Gedanken frei.

Gut finde ich das Mini-Wörterbuch Deutsch-Lakota im Anhang. "Mini" oder "mni" heißt übrigens Wasser. Die Übungen und Zeremonien im letzten Drittel des Buches sind ziemlich allgemein gehalten und kommen über ein paar Tips nicht hinaus, abgesehen davon, daß ich mit solchen Anleitungen noch nie so recht was anfangen konnte. Aber zu jedem Esoterikbuch gehören ja schließlich ein paar praktische Tips dazu, wie man denn nun im Anfangs besprochenen Paradies kommt.
Norbert Mallik, 8/98


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