Mein Kommentar zu:

Begegnung mit dem Schamanen

Es ist verständlich, daß jemand von der Person beeindruckt ist, die ihm unerwartet aus einer schwierigen oder lebensbedrohlichen Situation hilft und diese Person in den höchsten Tönen lobt. Trotz allem sollte man nicht vergessen, daß auch Godfrey Chips nur ein Mensch ist und wie alle Menschen auch mit Fehlern behaftet. Das gilt grundsätzlich für alle Medizinleute. Auch wenn sie vielleicht über einige außergewöhnliche Eigenschaften verfügen, haben sie doch auch ihre Schattenseiten. Hinter jedem Medizinmann gleich einen Heiligen zu vermuten ist ziemlich realitätsfern! Das macht es auch für die Medizinleute schwierig, denn welcher Mensch ist schon in der Lage andauernd einen "Heiligenschein" am Leuchten zu halten...
Selbstverständlich hat Godfrey Chips nichts dagegen, daß aufgrund des Buches andere Menschen seine Hilfe suchen. Wer "hauptberuflich" als Medizinmann tätig ist, muß seinen Lebensunterhalt von dem bestreiten, was er von den Leuten bekommt, für die er tätig wird. Dieses Buch ist somit auch als legitimer Beitrag zur "Einkommenssicherung" zu betrachten.
Die nachvollziehbare Begeisterung der Leute, denen Godfrey Chips geholfen hat, übertüncht jedoch die tatsächliche Situation im Reservat. Insbesondere bei Angelika Hansen habe ich den Eindruck, daß sie das Ganze wie durch einen Filter gesehen hat, ob es nun die spirituellen oder alltäglichen Belange betrifft. Selbst Mißstände, die sie nun wirklich nicht übersehen konnte, versucht sie noch irgendwie schönzufärben. Bevor man sich tatsächlich auf den Weg machen will, um sich von Godfrey Chips helfen zu lassen, sollte man sich besser auch noch aus anderer Quelle darüber informieren, was einen wahrscheinlich im Pine Ridge Reservat erwarten wird.
Wer sich für Lakota-Medizinleute und ihre Zeremonien interessiert, wird bei diesem Buch nicht zu kurz kommen, insbesondere bei dem Kapitel,  in dem Godfrey Chips seine Geschichte erzählt. Allerdings sind die im Glossar aufgeführten Begriffe teilweise falsch erklärt.



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